
„Was machst du eigentlich den ganzen Tag?“ (WmdedgT) fragt am 5. immer Frau Brüllen, und manchmal denke ich dran. Nicht dran gedacht hatte ich an aktuelle Fotos. Cia. Gibt es halt alte 😉
Wie treffend – gestern war der Tag des Lokaljournalismus. Dabei war gestern ein eher untypischer Arbeitstag für mich als freie Lokaljournalistin. Ich hatte keinen Termin außer Haus und musste nur ein bisschen was organisieren und tippen. So was kommt öfter mal vor, ein mehr oder weniger freier Tag unter der Woche; dafür arbeite ich auch immer wieder mal am Wochenende, so auch letzten Sonntag. „Entweder zu wenig Geld oder zu wenig Zeit“, hatte ich früher zu den uneinheitlichen Arbeitsmengen gesagt, inzwischen sage ich, entweder viel Zeit oder viel Geld ;-).
Um 7:30 hatte ich gefrühstückt, dem besten Ehemann von allen einen Abschiedskuss gegeben, eine kleine Runde im Haushalt gedreht und Wäsche aufgesetzt. Dann hatte ich eine Mail an den Müllzweckverband hier geschrieben, um herauszufinden, wieso ein Wertstoffhof über den Sommer geschlossen werden muss.
Danach stellte ich einen Artikel fertig, der die Reaktionen der Politik in einer Gemeinde auf die Ankündigung zusammenfasst, dass dort ein geologisches Labor in den Berg gebaut werden soll. Das Ganze soll der Grundlagenforschung zur Geothermie in Tiefengesteinen dienen und ist in dem Dorf, das glaubt, dass der Stolleneingang in ihm liegen könnte, sagen wir mal „umstritten“. Hier wird man natürlich als Presse auch immer wieder mehr oder weniger dezidiert angegangen, weil nicht so berichtet wird, wie es bestimmte Gruppen möchten.

Nächste Woche gibt es zu dem Thema eine Informationsveranstaltung, auf die ich gehen werde. Das ist auch so etwas beim Lokaljournalismus: wenn man sich in ein eher unhandliches Thema (Wissenschaft, Großbauprojekte) hineingepfriemelt hat, ist es oft ein Selbstläufer, sich immer mal wieder damit zu befassen.
Was den Lokaljournalismus angeht: Ich bekenne mich immer noch zu einem alten Artikel über freie Lokaljournalisten, den ich vor vielen Jahren las und der mit „Arm, aber glücklich“ titelte. Mir ist es zwar erfolgreich gelungen, im Laufe der letzten 14 Jahre mein Zeilen- und Bildhonorar ein Stück zu verbessern. Wenn ich aber lese, man solle Stundensätze von 50 oder 100 Euro anstreben in dieser Branche, kann ich nur schmunzeln. Davon bin ich weit entfernt, und ich gehöre definitiv nicht zu Leuten wie eine Kollegin, die selbstausbeuterisch für so niedrige Honorare arbeitet, dass es nicht mal für eine Versicherung in der Künstlersozialkasse reicht (das Minimum liegt aktuell bei nur irgendwas um die 600 Euro im Monat!). Mit der habe ich auch schon heftig diskutiert darüber, dass sie mit solchen Dumpinghonoraren nicht nur sich schadet, sondern auch Kolleg:innen.
Um von einem Job als freie Lokaljournalistin leben zu können, muss man entweder wirklich einen Ausnahmejob haben oder ununterbrochen im Einsatz sein oder aber einen wirklich extrem niedrigen Lebensstandard pflegen. Da ich und mein Mann beide berufstätig sind und gleichzeitig eher bescheiden leben, reicht es.
Aber zurück zum Tagwerk. Ich recherchierte ein bisschen zum Thema Zahnzusatzversicherung, ein nerviges Thema, weil es mich an eine Baustelle im Mund erinnert und daran, dass diese nicht gerade günstig zu beheben ist. Ich bin zwar mittlerweile pingelig bei der Zahnpflege, aber Sünden der grauen Vorzeit, als mensch noch unmotiviert ein bisschen mit einer Handzahnbürste im Mund herumstocherte, wirken bis heute nach. Wobei mich die Kosten weniger schrecken als Schmerzen, Ungewissheiten, ewig nicht kauen können und das Ausgeliefertsein, dass so etwas mit sich bringt. Ich hatte erst kürzlich den Zahnarzt gewechselt, weil der letzte anfing, mir potenziell tödliche Erkrankungen aus Röntgenbildern zu orakeln, was einer näheren Untersuchung inklusive CT nicht standhielt, sprich, mich sinnloserweise in Panik versetzt hatte.

Die Wäsche wurde aufgehängt, eine schildlausbefallene Pflanze in Kellerquarantäne noch einmal mit einer Öl-Wasser-Mischung besprüht, was immerhin die Blätter schön glänzen lässt. Der dicke rote Nachbarskater kam vorbei, um mich zu begrüßen.
Ich ging eine Runde spazieren und traf einen netten Kommunalpolitiker. Eine Viertelstunde quatschten wir sozusagen über den Gartenzaun, dann wusste ich wieder ein paar Hintergrundinfos zur Dorfpolitik mehr, die ich in meinem Kopf ablegen kann. Den Einkaufskorb beim Aldi gefüllt und heim.
Ich entschied mich danach dagegen, schon mal was über Rehkitzsuche zu schreiben, ein Artikel, für den ich noch ein paar Tage Zeit habe, und griff zum Roman, den ich gerade lese (Nathan Hill: Wellness).
Ansonsten bekam ich noch eine Nachricht von der Redaktion, dass die Lieferzeiten wieder einmal nach vorne geschoben wurden. Mich stört das als (meist) Frühaufsteherin (wider Willen, Lehrerfrau) nicht. Der Vorteil ist, dass dafür künftig sonntagnachmittagliche Aktivitäten vom Kerweumzug bis Weihnachtsmarkt nicht mehr aktuell geliefert werden können/müssen, was solche Aufträge attraktiver macht ohne eine knappe Deadline im Nacken.
Später habe ich dann noch gekocht (Kartoffeln, veganes Gulasch und Spargel) und meine Sommerreifen von meinem Mann zur Werkstatt fahren lassen. Denn einen Nachteil hat der kleine Smart: seine eigenen Reifen passen nicht rein. Jetzt hoffe ich, ich bekomme bald einen Termin zum Wechseln. Ob Kfz oder Installateur: Handwerkertermine zu bekommen ist hier noch schwerer als welche vom Facharzt.

Ich hatte noch eine Ladung Bücher ins Bücherregal gebracht; manchmal steht das innerhalb von Tagen bis oben hin voll mit Kisten voller Bücher, manchmal verschwinden die Bücher daraus schneller, als ich sie nachfüllen kann. Ein System habe ich dahinter noch nicht erkennen können. Ich fand außerdem Benjamin-Blümchen-Figuren im Regal und klebte mit eine Karla Kolumna vorne in mein Auto. Ja, ich habe ein etwas kindliches Gemüt manchmal.
Später nieselte es, ich las noch ein bisschen in meinem Buch und Abends schauten wir noch zwei Folgen der Netflixserie „Das Gesetz nach Lidia Poët“.










































