Die Tage, in denen der Herbst sich als Sommer verkleidete, sind endgültig vorbei. Wenn die Sonne scheint, sieht alles so bunt aus, dass ich mich manchmal frage, ob ich doch ein paar Farbzäpfchen zu viel im Auge habe. Und wenn es wie heute grau und windig und kühl ist, spüre ich die volle Herbstwucht erst richtig: Die Blätter fallen wie von weit, und wer heute kein Haus hat und all das. Rilke in jedem Blatt, das der Wind mürrisch vom Baum zupft und heruntersegeln lässt, während ein paar Rosen immer noch grimmig ihre rosa oder rote Pracht entfalten.
Die Toten- und Gruseltage reihen sich aneinander wie an einer Perlenkette. Für mich ist diese Zeit auch stets mit Traurigkeit verbunden, denn ich denke an alle, die mir mal lieb und teuer waren und nun nicht mehr Teil meines Lebens sind, ob nun getrennt durch Tod, Streit oder einfach Wege, die in verschiedene Richtungen führten. Das sind meine Geister.
Ich tanze mein Tänzchen mit der alten Freundin Melancholie, die untreu mal mit der Nostalgie und mal mit der Depression flirtet. Aber diese schweren, dunklen Gedanken im Kopf fühlen sich auch schön an, haben fast etwas befriedigend Haptisches wie Billardkugeln oder diese Klingelkugeln, die mal modern waren – Qigong-Kugeln, hießen die so? Als Teenagerin und auch noch als Studentin habe ich aus solchen Gedanken Gedichte, vor allem Herbstgedichte als Dutzendware geschnitzt, eins ernsthafter und pubertärer und schöner als das andere. Ich mag sie ungern zeigen; sie sind noch so echt und analog und könnten zerfallen, wenn gierige KI-Augen sie berühren.
Letzte Woche war ich für sechs Tage im Harz und es war schön. Ich hatte mich dort 2–3 Tage mit einer Freundin getroffen, und spontan hatte ich noch gut drei Tage früher das Ferienhaus gebucht, um mal ein paar Tage allein Urlaub zu machen. Das habe ich vorher noch nie; ich war als Kind mit den Eltern weg, später mit Freund*innen, mit Jugendgruppen und der Klasse, natürlich oft und viel mit meinem Partner und heutigem Mann, und ich war vor rund 20 Jahren häufiger bei Frauentreffen. Aber ganz allein? Ehrlich gesagt hatte ich schon Respekt vor meiner Entscheidung. Aber vor Ort war alles prima, und ich habe das Alleinsein nicht nur ertragen, sondern genossen, auch wenn ich meinen Mann ziemlich vermisst habe. Aber es war für mich toll, mich mal im Urlaub nach niemandem richten zu müssen, einfach zu machen, was ich will.
Was schön war Die Stadt Goslar ist sehr schön mit seinen vielen alten Häusern und interessanten Fassaden. Es gibt dort viel zu sehen, ich war dabei nur in drei der vielen Museen dort. Superpraktisch für Bahnreisende: Mit der Gästekarte kann man im ganzen Harz kostenlos den Nahverkehr benutzen. Das habe ich eifrig gemacht.
Was spannend war Viel Freude hatte ich bei einer Tour allein durch das Okertal. Ich hatte, da ich das Gelände nicht kenne und keine mobilen Endgeräte für die Navigation besitze, den harmlosen Weg am Ufer der Oker entlang gewählt. Der war dann aber auch schon eine nette Tour mit tollen Ausblicken.
Was überraschend war Ich wusste ja, dass der Borkenkäfer im Harz gewütet hat, und so war ich auch nicht überrascht, viele tote Bäume und kahle Hänge zu sehen. Aber das war nicht so schlimm, wie ich gedacht hatte, denn überall sah man auch schon das frische Grün – neue Nadelbäume, aber auch viel Birke, Ahorn usw., die sich breit machen. Ich bin neugierig, wie es dort in 20 Jahren aussieht.
Am Liebesbankweg Hahnenklee
Was inspirierend war Ich hatte in Goslar auch das Mönchehaus besucht, ein Museum für moderne Kunst. Dort wurden gerade Werke von Gabriele Stötzer ausgestellt, die den Kaiserring der Stadt – eine Auszeichnung für moderne Kunst – erhalten hatte. Das hatte ich ein paar Tage vorher zufällig im TV gesehen und mir daher die Ausstellung angesehen. Ich fand ihre Werke sehr inspirierend. Und das Tollste: Plötzlich herrschte eine gewisse Unruhe, und die Künstlerin kam vorbei, wahrscheinlich für ein Interview. Vielleicht ein Zeichen, dass ich mich mal wieder mehr mit Kunst beschäftigen sollte.
Was deprimierend war Ich bin ein großer Luchsfan, und daher war ich auch beim Luchsgehege Rabenklippe bei Bad Harzburg. Aber das war nicht, wie ich dachte, ein riesiges Freigehege, wo Luchse auf ihre Auswilderung warten, sondern eher zwei Gehege wie in einem Zoo, sprich nicht besonders groß und von hohen Zäunen mit Stacheldraht oben drauf umgeben wie eine JVA. Mindestens ein Luchs strich ständig den Zaun entlang, das tat mir weh zu sehen. Sehr genervt haben mich die Menschenhorden, die zur Fütterung anrückten. Kinder kreischten, Leute fotografierten mit Blitz, überhaupt viel Rummel vor dem Gehege. Ein paar ältere Tiere nahmen das stoisch, der Rest verkrümelte sich. Ich verkrümelte mich auch vor der Fütterung, weil ich wusste, dass noch eine Busladung Leute anrückte und mir das schon vorher zu viele Leute waren.
Was für mich überflüssig war Auf dem Brocken war ich übrigens nicht. Die Zugfahrt war mir viel zu teuer, und die Wanderungen allein zu lang und ohne Auto (lange Busanreise, man muss dann ja auch den Bus zurück erwischen usw.) doch etwas zu riskant.
Jetzt ist das Bloggen mal wieder für eine Weile untergegangen vor Lauterlauter und Kleinklein. Ich muss sagen, der diesjährige Sommer war einfach wenig erholsam und anstrengend für mich. Das lag zum einen an der enormen Hitze, die mich nicht nur körperlich schlauchte und mein Wanderpensum einschränkte, sondern auch meine Sorgen vor der Klimawandelzukunft befeuerte. Wie oft hat es seit Mai geregnet, 10 Mal vielleicht? Die Buchenwälder sehen schlimm aus. Heutem Ende September, haben wir hier in Südhessen 30 Grad, und es ist staubtrocken. Im Radio reden sie von „schönem Wetter“.
Die Sängerwarte im Trommwald
Dazu kamen für meinen Geschmack viel zu viele Arztbesuche. Das meiste waren nur Check-ups, von Zahnarztsachen abgesehen. Ich weiß ja, wie privilegiert ich mit meiner (klopf auf Holz) bis heute guten Gesundheit bin. Andere müssen ständig zum Arzt und haben sicher wenig Verständnis dafür, dass eine recht Gesunde wie ich vor jedem Check-up-Ergebnis bibbert. Dazu haben meine Wechseljahre sich überlegt, das mit den Hitzewallungen doch noch mal zu testen. Ich nehme jetzt Traubensilberkerzenextrakt, das scheint etwas zu helfen.
Auch im Job ist es auch chaotischer als sonst: Seit dem Frühsommer gibt es Krankenstände in dem Ressort, dem ich als Freie zuarbeite, und dementsprechend ist alles etwas komplizierter und aufwendiger als sonst. Und überhaupt und sowieso, das ganze Kleinklein des Lebens. Meinem Smart musste ich nach fast 15 Jahren adieu sagen, schluchz. Der alte Herr hatte jetzt mit fast 25 Jahren so viele Blessuren, dass sich eine weitere Reparatur beim besten Kfz-Mechaniker von allen nicht mehr lohnte. Also Abschied, und ich muss mich an das ebenfalls schon ältere Auto gewöhnen, das ich vom werten Gatten übernehme, während der auf Elektro umstieg. Und all das andere Zeug rund um Job und Haus und Steuer und Handwerker und, ach, ihr kennt es ja alle.
Der Wald hat gelitten diesen Sommer 🙁
Aber immerhin, der Sommer ist vorbei, endlich will ich sagen. Mein Hirn fängt wieder an, besser zu funktionieren, und ich kann auch wieder den Hausberg hier hochlaufen, ohne völlig zu zerfließen. Pläne in Punkto Komfortzonenerweiterung, die ich während Hitze und Wartezimmeraufenthalten nicht umsetzen konnte oder wollte (ach ja, und die Katze war auch noch krank), rücken wieder näher: eine Fortbildung an einer Fernschule werde ich vielleicht im Winter oder Frühjahr starten, mehr Aktivitäten bei der Demokratiegruppe und ein Herbsturlaub ohne den besten Ehemann von allen. Vor 10 bis 25 Jahren bin ich fast jedes Jahr allein weggefahren, entweder zu Frauentreffen, um eine Freundin zu besuchen oder auch, um mich mit einer zu treffen. Letzteres werde ich nun mal wieder in den Herbstferien machen. Und weil ich mir dachte, ach, für ein paar Tage in den Harz fahren lohnt ja kaum, hab ich gleich noch ein bisschen Zeit für mich allein drangehängt. Ich bin mal gespannt, wie mir das bekommt, alleine ein paar Tage Urlaub zu machen. So, wie ich begeistert Wandertouren und Sehenswürdigkeiten in der Region suche, habe ich nicht allzu viele Bedenken.
Fisch-Mann?
Aber wie ich die mir auch nicht gerade angeborenen Eigenschaften Optimismus und Freude durch Zeiten wie diese bringe, dafür habe ich noch kein Rezept. Vielleicht sollte ich mal wieder ein paar alte Singvøgel-Lieder hören: www.singvoegel.com/index.php/fur-zeiten-wie-diese/
Der Untertitel dieses Buches lautet: „Wann es Zeit ist, das innere Kind in Ruhe zu lassen und durchzustarten.“
Dr. Gitta Jacob ist selbst Psychotherapeutin und (Co-)Autorin diverser psychologischer Sachbücher. Von ihr wird der Leser oder die Leserin also sicher nicht zu hören bekommen, dass das Beschäftigen mit der eigenen Psyche, der eigenen Kindheit und auch Psychotherapie irgendwie falsch wäre. Schließlich hat sich – das wusste ich nicht – (auch) durch bessere psychotherapeutische Versorgung die Suizidrate seit den 1980er-Jahren halbiert. Und nicht zuletzt durch Prominente, die offen über Erkrankungen wie Depressionen sprechen, ist das Thema psychische Krankheiten aus der Tabuecke gerückt, und das ist gut so.
Aber für Jacob ist inzwischen das Psychologisieren und in den eigenen Gefühlen und der eigenen Vergangenheit Herumwühlen zumindest in manchen (zum Beispiel jungen, weiblichen, akademischen) Kreisen schon wieder zu viel geworden. Da werden traurige Alltagserfahrungen zu Traumata hochstilisiert, an denen man sich den Rest seines Lebens abarbeitet. Das wird zum einen den Menschen nicht gerecht, die wirklich extrem schlimme Dinge erlebt haben und sich dann als „Ach-du-auch?“-Traumatisierte wiederfinden.
Es schadet aber auch den Betroffenen selbst, denn das ständige Starren auf negative Erlebnisse verstärkt (oder konstruiert gar) diese in der Erinnerung. Und je mehr man sich an seine Vergangenheit als ein einziges Trauerspiel erinnert, desto trauriger wird man natürlich auch. Da ja die Schuldfrage dafür klar bei den Personen aus der Vergangenheit liegt, vor allem bei den Eltern, ist man von eigener Verantwortung für seinen Zustand erst mal entbunden. Und dann hält die Rolle des Leidenden auch Krankheitsgewinn bereit, die ein Verharren in dem Zustand attraktiv machen kann.
Ich fand einen Satz in dem Buch einen richtigen Augenöffner: „Warum muss das innere Kind eigentlich immer traurig sein?“ Denn das kenne ich aus den entsprechenden Büchern auch so, dass es viel um das Nachwirken kindlicher Verletzungen ins Erwachsenenleben hinein geht. Aber für uns „Normalneurotiker“, wie ich Menschen wie mich nenne, die keine psychische Krankheit haben und trotzdem mal den Blues und unbegründete Ängste und übertriebene Sorgen, gab es doch auch schöne Seiten an der Kindheit, der Jugend. Und es ist wirklich schade, wenn die und so viele andere gute und starke Dinge in uns weggedrängt werden vor lauter Beschäftigung mit dem (vermeintlichen) eigenen Elend.
Auch kritisiert Jacob eine gewisse kultivierte Übersensibilität. So ist es ihr nicht einsichtig, dass man inzwischen so gut wie alles mit einer Triggerwarnung versehen soll. „Fediverse, ick hör dir trapsen“, denke ich da. Psychiatrische Begrifflichkeiten werden zunehmend für Alltagsprobleme verwendet, jede:r Ex ist „toxisch“.
Auch das Bestreben vieler heutiger Eltern, ihren Kindern möglichst Herausforderungen, Aufregung und Enttäuschungen zu ersparen, wirkt sich nicht positiv auf deren psychische Gesundheit aus, im Gegenteil, wie man ja leider weiß. Als Beispiel führt sie an, dass Kinder heute im Durchschnitt nicht vor dem 11. Lebensjahr ohne elterliche Überwachung draußen spielen. In der Generation ihrer Eltern war es mit 9. (Und bei mir im Vorschulalter mit 5 oder 6., Dorfkind halt.)
Und wenn man den allzumenschlichen, tagtäglichen Hindernissen nicht gut beikommt? Dann muss man nicht automatisch gleich eine Psychotherapie machen und/oder die Kindheit durchleuchten. Stattdessen erläutert Jacob im zweiten Teil des Buches die ganz normalen, langweiligen Basics eines guten Lebens. Sich gut ernähren, Alkohol und Tabak möglichst meiden, viel bewegen, genug schlafen, soziale Kontakte pflegen, gute Gewohnheiten etablieren…
Und dann schlägt sie eine starke Orientierung an den eigenen Werten und Zielen vor; hier fand ich wieder einiges von der Acceptance-Commitment-Therapie wieder, die sich imho ja auch wunderbar für persönliche Selbsthilfe und Persönlichkeitsentwicklung jenseits des Therapeutischen eignet. Sprich, es geht um die große Frage, was einem wirklich wichtig ist im Leben und wie man sein Handeln danach ausrichten kann, auch dann, wenn die Laune nicht gut ist oder etwas Unschönes passiert im Leben. Außerdem appelliert sie, gezielt die eigene Komfortzone auszuweiten. Denn wenn man immer nur bei dem Einfachen und Gewohnten bleibt, bleibt eine Weiterentwicklung auf der Strecke, und der Radius des Angenehmen wird immer kleiner. Traut man sich im Gegenteil etwas zu, was Mut erfordert, wird man mutiger, und das Leben wird größer. Haha, da hat sie mich am Wickel, ich gebe es zu; ich mag es bequem und vorhersehbar. Und dennoch, ich bin gerade an solchen Themen dran.
Ich habe es gerne und schnell gelesen und aus dem Buch einige Dinge mitnehmen können. Daumen hoch!
Summer moved on – kennt ihr das Lied von A-ha? Ich habe mal gelesen, dass sich darin der längste gehaltene Ton der Popgeschichte findet.
Mitte August. Die Zeit verrinnt, die Arbeit hat wieder begonnen, wie üblich eher zaghaft, solange noch Sommerferien sind und kurz danach. Heute gehen für mich die politischen Sitzungen wieder los. Das bedeutet zwar viele Abendtermine, aber noch ist ja nicht Winter, wenn es für mich schwer ist, mich in der dunklen kalten Nacht noch mal nach draußen zu wagen.
Wirklich beklemmend war für mich in diesem Sommer die Hitze und die Dürre, die auch meine Heimatregion seit Mai im Griff hatte und nun zaghaft endet. Jetzt haben wir normale Spätsommertemperaturen mit 23–25 Grad, die einen fast frösteln lassen, und endlich wieder halbwegs normal schlafen. Ich bin 52, ich brauche in diesem Lebensabschnitt wirklich nicht noch Wärme von außen, um im Bett zu schwitzen. Ein paar Regentropfen helfen auch, wobei die großen Wolken immer noch hämische Bögen um meine Gegend ziehen. Ich habe den Fehler gemacht, in das von mir nicht mehr genutzte Facebook hineinzuschauen, was denn der deutsche Bürger jenseits des linksgrünversifften Fediverse darüber denkt, und stieß auf einen Schwall von „das war schon immer so, das macht nichts“, und auch die Großbrände hätten nichts mit der, na ja, vielleicht doch ein bisschen übertriebenen Wärme zu tun, die wiederum nichts mit den Menschen zu tun hat…
Wir sind so lost, denke ich. Und ich unterdrücke diese „na ja, müssen wirklich alle wählen in einer Demokratie, kann man da nicht ein paar Hürden einbauen“-Gedanken, Zynismus hilft nicht weiter.
Was habe ich den Hitzesommer über gemacht? Immer noch jeden Tag draußen herumgelaufen, oft früh am Morgen. Ich habe viel, viel, viel geschwitzt. Ich habe viel Bier getrunken, mit und ohne Alkohol, und manchmal wochenlang fast nichts Warmes gegessen. Ich habe mich damit beschäftigt, ob ich einen Fernlehrgang absolvieren soll, und mir entsprechendes Infomaterial zuschicken lassen. Ich habe für meinen Geschmack viel zu viel Kontakt mit Ärzten gehabt und bibbere schon wieder vor ein paar Ergebnissen von Checks und einer nahenden unangenehmen Zahnarztsache, auf die noch mehr und sehr teure folgen werden. Ich habe einen kleinen Frauenurlaub im Harz mit einer Freundin gebucht.
Ich habe sehr viel gelesen, denn was sollte man sonst den ganzen viel zu heißen Sommer lang machen? Ich bin ja beim Lesen Jägerin und Sammlerin, Bücher fallen mir in die Hand, ob nun in unserem öffentlichen Bücherregal oder der schönen Stadtbibliothek in der nächsten Stadt, und wenn mir von einem Autor was gefällt, besorge ich mir mehr. Rund 25 Bücher waren es seit Anfang Mai, das ist relativ viel. Ich fand eine Biographie über die Manns lohnenswert (Tillmann Lahme, Die Manns), wo jenseits aller Ehrfurcht vor dem ach so großen Thomas Mann die doch sehr dysfunktionale Familie anschaulich dargestellt wurde. Ich habe Robert Seethaler entdeckt, Der Trafikant, Die weiteren Aussichten, Das Feld und Ein ganzes Leben gelesen. Der Stil hat mir sehr gefallen. Ich war von „Die Auferstehung“ von Andreas Eschbach ganz gut unterhalten, das ist ein Roman über die drei Fragezeichen als Mittfünfziger. Ich habe die ???-Kassetten als Kind geliebt, war ein bisschen in Peter Shaw verliebt und habe die Geschichten noch lange ins Erwachsenenalter hinein zum Einschlafen gehört.
Eine Neuentdeckung war die polnische Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk, ich las Unrast, Die grünen Kinder und Der Gesang der Fledermäuse – herrlich! Ich habe mal wieder Marshall Rosenberg, Gewaltfreie Kommunikation, gelesen und mir vorgenommen, ein bisschen was davon mitzunehmen in den Alltag. Und ich habe mit „Frau Komachi empfiehlt ein Buch“ von Michiko Aoyama auch mal wieder was aus einer meiner liebsten Literaturgegenden gelesen, aus Japan.
Ach, wenn es keine Literatur gäbe, wie wäre das Leben so traurig und öde.
Jetzt hoffe ich auf viel, viel mehr Regen als die 28,5 Tropfen, die hier heruntergekommen sind, und einen schönen Herbst, in dem sich die Natur wieder etwas erholt.
Auf Bilder teilen habe ich gerade wenig Lust, die zeigen nur Steppen und braune Blätter.
PS: Ich habe gegoogelt: Bei Summer Moved On hält Morten Harket einen Ton 20,2 Sekunden. Es gibt zwar einen etwas längeren Ton von Axl Rose, der aber nicht so stabil und klar ist. Also hat mein Teenagerschwarm da tatsächlich die Nase vorn.
Sagenhafte Felsformationen gibt es ja im Odenwald en masse. Jetzt haben wir mit dem Wildleuthäusl (mal wieder) eine besucht, die in zweierlei Hinsicht etwas Besonderes ist. Obwohl nicht weit vom beliebten Aussichtsturm auf der Tromm gelegen, ist sie nicht so leicht zu finden und auf vielen Karten nicht ganz korrekt angegeben (ganz unten findet ihr die Koordinaten). Und dann gehören diese Steine zu jenen, die der Sage nach von wilden Leuten bewohnt wurden oder werden.
Es ist ein durchaus beeindruckendes Felsensemble, das man dort vorfindet, in Quaderform verwitterte Steine sowie Spalten und Mini-Höhlen laden dazu ein, hier rastende wilde Gestalten zu imaginieren. Tatsächlich fanden wir auch Reste eines Lagerfeuers (wobei ich hoffe, das ist schon länger her, der Wald brennt aktuell hier wie Zunder nach langer Dürre). Ein Mountainbiketrail führte hindurch. Der beste Ehemann von allen und ich sind da mit Vergnügen herumgeklettert (festes Schuhwerk zu empfehlen). Es gibt eine Infotafel zum Trommgranit am Wildleuthäusl, die allerdings von den Felsen ein ganzes Stück entfernt steht. Eine konkrete Sage zum Wildleuthäusl auf der Tromm kenne ich nicht, habe nur im Hinterkopf, dass dort auch die Hölzerlipsbande gerastet haben soll. Ansonsten gleichen sich die Sagen an solchen Orten.
Mein wilder Mann
Was sind denn wilde Leute der Sage nach? Sie gehören zu den Erdgeistern, ähnlich wie Elfen oder Zwerge. Als wilde Leute oder wilde Frauen sind sie vom Alpenraum bis Skandinavien verbreitet. Die Erscheinung der wilden Leute variiert je nach Region; im Odenwald sind sie als Männer klein und behaart, die Frauen meist schön. Manchmal treten die Männer als Riesen auf. Sie sind eher umgänglich (wenn sie nicht gerade Kinder stehlen), geben Ratschläge für die Aussaat und helfen bei der Feld- und Hausarbeit. Man darf sie aber nicht beleidigen oder ärgern, weil sie sich dann rächen. Dafür mögen sie es, wenn man ihnen Speisen und Trank anbietet – aber bitte keine Kleider (sie sind oft eher kärglich bekleidet, wenn überhaupt), das beleidigt sie. Ebenfalls konnte man die freundlichen Hilfsgeister damit vertreiben, dass man ihnen hinterherspionierte. Geschah dies, so kamen sie nicht wieder.
Eine gern verbreitete Theorie über die realen Hintergründe der wilden Leute ist, dass es sich um Heiden handelte, die vor der Christianisierung flohen und lieber im Wald hausten, als sich der neuen Religion zu unterwerfen. Ich vermute, diese Geschichten sind irgendwann zwischen Romantik und Nationalsozialismus entstanden, ist doch der Odenwald im Bereich des ehemaligen Klosters Lorsch schon früh christianisiert worden.
Fakt ist aber auch, dass sich Außenseiter, Obdachlose, Kriminelle und Deserteure bis ins 20. Jahrhundert zeitweise oder auch dauerhaft in den Wäldern des Odenwaldes in Höhlen oder primitiven Behausungen versteckten. Ein bekannteres Beispiel (nach dem ein Bier benannt wurde) ist der „Dachsenfranz“, der vor allem im Kraichgau unterwegs war. https://de.wikipedia.org/wiki/Dachsenfranz
Es lassen sich ansonsten Parallelen zwischen den wilden Leuten und dem Grünen Mann ziehen; diese Gestalt mit Blättern und Ranken im Gesicht symbolisiert die Macht der Natur. https://de.wikipedia.org/wiki/Gr%C3%BCner_Mann
Der „Wilde Mann“ hat als Name von Gaststätten und als geschnitzter Schmuck bei Häuserbalken oder auch als Fachwerkmuster überlebt.
Weitere Behausungen der wilden Leute:
Wildeleute-Stein bei Ober-Flockenbach Wildweibchenstein bei der Ruine Rodenstein Das Wildfrauenhaus bei Fischbachtal-Lützelbach Das Steinschloss bei Scheuerberg
Das Wildleuthäusl auf der Tromm Koordinaten: 49°36’30.0″N 8°48’23.9″E Plus Code JR54+8MJ Rimbach
Gestern durch Heidelberg spaziert. Fünfeinhalb Jahre bin ich dort als Studentin Tag für Tag durch die Fußgängerzone gelaufen, zum Politischen Institut am Marstall, zu den Soziologen irgendwo an der Triplex-Mensa, zum Vorlesungsgebäude mit der Überschrift „dem lebendigen Geist“ am Uniplatz, zum psychologischen Institut vorne in der Fußgängerzone, wo Bunsen davor wacht.
Bunsen vor dem psychologischen Institut
Ein schöner Tag war es. Geparkt hatten wir im Neuenheimer Feld, wo die Parkhäuser nicht ganz so teuer sind. Hier waren wir ewig nicht mehr, der beste Ehemann von allen hatte dort mal studiert, aber alles sah anders aus, große Gebäude, Tiefgaragen, Supermärkte, öffentliche Kunst. Wir standen vor dem großen „Mathematikon“ und fragten uns, was da wohl abseits von der mathematischen Fachschaft drin sein mag, denn so viel Platz brauchen die doch nicht, oder?
Auch sonst wurde und wird viel gebaut in Heidelberg, überall Häuser, die abgerissen, neue, die erbaut werden, gesperrte Straßen.
Im Neuenheimer Feld am Mathematikon
Wir sind mit Straßenbahn und Bus zum Königstuhl hochgefahren und dann durch die Wälder hinunter zur Stadt gelaufen. Im Bus spielten zwei junge Mädchen irgendein Ratespiel um Filmpersonen, das ich nicht ganz verstand; später fragten sie um Hilfe, weil sie auch in die Stadt zurücklaufen wollten und nicht recht wussten, wo es langging.
Auch oben am Königstuhl waren viele Menschen, aber kaum hatte uns der Wald verschluckt, waren wir allein.
Das änderte sich kurz vor dem Schloss, wo sich die Massen durch das Burgtor schoben. Auch in der Fußgängerzone so viele Menschen. Immerhin sahen die Läden noch gut aus, zwar nicht mehr so viel alternatives Zeug in Hinterhöfen wie früher, aber auch nicht lauter Ein-Euro-Shops. In der unteren Gasse ein Headshop. Da gab es vor 30 Jahren auch schon einen, wo Studenten und kichernde Odenwälder Halbstarke lange Papierchen kaufen konnten.
Das Heidelberger Schloss
Ich muss gestehen, auch zu Studienzeiten war ich kein eingefleischter Heidelbergfan. Ja, die schöne historische Altstadt, die Landschaft, aber alles wirkte für mich damals künstlich.
Wenn ich an mich im Studium denke, sehe ich mich immer im Herbst oder Winter, wenn der Wind kalt durch die lange Fußgängerzone pfiff und nur wenige Touristen die Stadt erkundeten, wenn alles grau war und trostlos und ich Bauchweh hatte, weil das Mensaessen so schlecht geschmeckt hatte oder ich mich vor dem nächsten Seminar fürchtete. Wobei, ich habe zumindest einige Dinge ganz gern studiert, ging angetan in Veranstaltungen des in Politologenkreisen damals sehr verehrten Professors Klaus von Beyme, bei dem ich zum Glück damals meine Magisterarbeit schrieb. Wir nannten ihn ob seines großen Wissens und des ausladenden Schädels „der Mann mit den zwei Gehirnen“. Manchmal fuhr er mit einer russischen Fellmütze auf dem großen Kopf mit dem Rad zum Institut. Auch bei den Psychologen war ich gerne. Aber es war trotzdem nicht meine beste Zeit im Leben, vielleicht lag es an der schimmligen Einzimmerwohnung in Leutershausen, in der wir damals hausten.
Hier saß ich oft in Vorlesungen
Aber wenn ich mich heute in Heidelberg umsehe, werde ich weder nostalgisch, noch spüre ich das alte Bauchweh. Ich bin Touristin unter zehntausenden Touristen, die alle Sprachen zu sprechen scheinen. Leute rempeln mich an, ich komme mir etwas urig vor mit kurzen Wandershorts und Wanderstiefeln und aufgehauenem Knie, als würde mir auch noch Stroh im Haar hängen. Und ich erkenne, ich bin doch endgültig ein richtiges Landei geworden.
Wir waren in der südlichen Pfalz, eine Woche mit viel Wandern und viel Weißweinschorle, so nah an der französischen Grenze, dass wir von unserer FeWo dorthin in einem kurzen Spaziergang hinwandern konnten. An manchen Orten wie auf dem Maimont gab es Spuren des Zweiten Weltkriegs, aus den Grenzsteinen hatte man damals das französische F herausgeklöppelt. Aber heute spielt diese „Erbfeindschaft“ zum Glück keine Rolle mehr, man merkt kaum, wenn man die Grenze überfährt. Wie kann das irgendwer wollen, denke ich, hier die Zeit zurückdrehen, Grenzposten, Schranken, Zoll!
Unsere FeWo in einem kleinen Dorf war sehr schön und wurde als LGBTQ-freundlich beworben, was in den verschlafenen Pfalzorten ungewohnt urban wirkte. Ich nehme an, dass sie das Etikett bekommen hat, weil zwei freundliche Frauen das Vermieterpaar waren.
Bis auf kleine Fachwerkorte und das verschlafene Städtchen Dahn gibt es dort genau drei Motive für die Kamera: hohe, steile und nur mit viel Schweißeinsatz zu erklimmende Hügel, dicht bewaldet, darin mehr oder weniger versteckt viele interessante Sandsteintürme, die teilweise Statik und Schwerkraft verhöhnen, und viele kleine und größere Burgen, die den Türmen ähneln oder auf ihnen thronen, in sie hineingehauen, oben auf die Türme hinaufgebaut oder an sie angelehnt worden waren.
Ich habe die Geschichte dieses deutsch-französischen Grenzgebiets noch nicht ganz verstanden, auf den (relativ wenigen) Infotafeln war die Rede von diesem Herrscher und jenem, aber wieso so viele Adelige in die heute so menschenleeren Wälder ihre Burgen bauten, erschließt sich mir nicht ganz.
Trotz Gästebeitrag und vielen schönen, steilen ausgeschilderten Wanderwegen fand ich die Gegend, die nahtlos in die nordfranzösischen Vogesen übergeht, touristisch und auch sonst überraschend wenig erschlossen. Zu einem Supermarkt fährt man ein Stück, Tankstelle dito, viele Geschäfte und Restaurants sind endgültig oder aber (ausgerechnet) jetzt zur Ferienzeit wegen Urlaub geschlossen; wenn es irgendwo Veranstaltungen oder Museen gab, habe ich das online nicht gefunden. In Frankreich schien mehr los zu sein, vor allem rund um die Ruine Fleckenstein.
Das Biosphärenhaus, das ich anschauen wollte, ein Lost Place, ein Doppel-Lost-Place war die Area 1, ein ehemaliges Militärlager, wo wohl auch mal Atomwaffen lagerten. Doppel-Lost-Place, weil das mal vor 15 Jahren eine Art Outdoor-Museum werden sollte, von dem inzwischen auch schon verwitterte oder umgefallene Infoschilder zeugten. Dafür gab es viel Graffiti, irgendwo muss es also auch Dorfjugend geben.
Und so passte es auch zur Waldeinsamkeit, dass ein Unwetter an einem Abend über uns hinwegfegte, die vertrockneten Wiesen wurden weiß unter Hagel, wie wir aus der sicheren Ferienwohnung heraus beobachteten. Der Strom fiel aus und blieb bis tief in die Nacht weg, wir saßen bei Kerzenschein und hörten ein paar Folgen der drei ???, die der Mann noch von meiner letzten Krankheit auf dem Handy gespeichert hatte, damit ich im Fieberwahn etwas anzuhören hatte.
Neben Wandern und Dinge aus Sandstein anschauen habe ich auch recht viel gelesen, unter anderem die Autorin Olga Tokarczuk entdeckt.
Besondere Pfälzer Spezialitäten sind mir nicht untergekommen, von den wirklich immer leckeren Pfälzer Weißweinen mal abgesehen. Aber mit veganen Restaurants oder auch nur Optionen habe ich auch nicht gerechnet.
Für eine Woche Wanderurlaub war es eine schöne Gegend. Das nächste Mal fahre ich aber lieber im Herbst hin, dann ist das Wandern leichter und man kann „Keschde“ sammeln 🙂
Es ist immer noch heiß, heißer, am heißesten. Heute soll der schlimmste Tag werden mit gefühlten 43 Grad – wohlgemerkt, im Ländlichen, auf einem Hügel, mit Wald drumherum. Nun ja, ich wohne ja ganz in der Nähe jener Region, wo Deutschland anfängt Sahara zu werden oder so ähnlich.
Ich plane meine Tage um das Bedürfnis herum, irgendwie wenigstens für 30 oder 40 Minuten durch den Wald zu laufen. Die meisten Tage schaffe ich es in den Morgenstunden. Wenn es kühler wird, werde ich viel nachzuholen haben. Heute war ich um 8:30 draußen, außer mir vor allem Menschen mit Hunden, die ermattet bei schon 30 Grad durch den Wald torkelten. Ich quatsche ja öfter fremde Leute einfach an, und im Kurzgeplauder mit einer Frau mit Hund verabschiedete die sich mit den Worten, die nächsten zwei Tage müsse man „einfach nur überleben“.
Heute Nacht war ich um vier erwacht und habe die Katze eingesperrt, die nicht nach draußen soll (wir hatten hier eine schlimme Reihe von Katzen-Verschwinderitis vor Jahren, die ich nie aufklären konnte und die ich nicht noch mal erleben will).
Dann alle Fenster und Türen weit aufgerissen Richtung Garten. Und dann lag ich wach auf dem Bett, es war immer noch sehr warm. Draußen hörte ich die ganze Zeit Tiergeschrei und Rascheln im Gebüsch; es könnten junge Wildschweine gewesen sein oder auch ein Rehkitz, das nach der Mutter ruft. Beide Tierarten treiben sich in und um unseren Garten herum.
Gegen fünf schloss ich Türen und Fenster. Davor stand ich müde blinzelnd auf dem Balkon. Es wurde schon langsam hell, und ich sah viele Fledermäuse über den Himmel flitzen. Der Vogelgesang setzte ein, Krähenrufe, weiter das ominöse Tiergeschrei. Und auf einem Hügel stand ein Reh, die schlanke Silhouette zeichnete sich dunkel gegen den heller werdenden Himmel ab. Bis auf das Tiergeschrei war das alles sehr schön. Fotos habe ich keine, das müsst ihr euch also im Kopf zurechtmalen.
Aber allgemein kann ich die Methode „vier Stunden schlafen – eine Stunde wach sein – wieder zwei Stunden schlafen“ nicht empfehlen, wenn man am nächsten Tag fit im Kopf sein will.
Es ist zu heiß. 35, 37 Grad, und es soll noch heißer werden. Heute Nacht gab es Gewitter, und so ist es nicht nur heiß, sondern auch schwül. Zum Glück bin ich gegen 6 Uhr das erste Mal erwacht und habe möglichst viele Fenster aufreißen können, bevor es wieder wärmer wurde.
Tagsüber heißt es jetzt verdunkeln…
Viel ist mit mir nicht anzufangen gerade, auch wärmebedingt. Bin außerdem noch gestresst, bedrückt und etwas kränkelig.
Ich bin auf jeden Fall sehr froh, dass ich mich bis Montag „krankgeschrieben“ habe. Nächste Woche kommen zwar etliche Termine bei 40 Grad im Schatten (stöhn!), aber immerhin muss ich nicht morgen in der Sonne herumhüpfen und bei 37 Grad im Schatten einen Umzug fotografieren.
Ich gestehe, seit den Wechseljahren finde ich große Hitze noch schlimmer als vorher.
Was mache ich also mit der Hitze und der erzwungenen Untätigkeit?
Ich ernähre mich ziemlich viel von veganem Eiweißshake mit Tiefkühlobst.
Ich lese einiges, unter anderem habe ich im öffentlichen Bücherregal das Buch „Der Trafikant“ von Robert Seethaler entdeckt und schnell weggeschmökert. Es geht um einen jungen Mann, der einen „Trafikanten“, also Kioskbesitzer, unterstützt, viel liest, immer mehr versteht, sich verliebt, an der Liebe leidet und Sigmund Freud kennenlernt. Und es geht darum, wie er angesichts des großen Unheils, das mit Hakenkreuzflaggen heranweht, sein kleines, mutiges Aufbegehren probt.
Sehr berührend, auch lustig, tolle Sprache, und mit dem zeitlichen Setting – Wien 1938 beim „Anschluss“ von Österreich – leider mal wieder aktueller als es sein sollte. Sicher hat nicht nur mich die Aktion in Gelsenkirchen, als man Sinti und Roma zum Straßenputzen „motivierte“, an das hier erinnert.
Direkt nach dem „Anschluss“ wurden die Wiener Juden unter Beteiligung der Bevölkerung gezwungen, in „Reibpartien“ pro-österreichische Slogans von den Gehsteigen zu putzen. Bild: United States Holocaust Memorial Museum, Public domain, via Wikimedia Commons
In letzter Zeit auch einiges dazu gelesen, was wohl passiert, wenn diese Partei, deren Namen man nicht ausspricht, in Sachsen-Anhalt die absolute Mehrheit bekommt. Gerade in der Bildungspolitik hat ein Bundesland viel Spielraum, da kann einiges kaputt gemacht werden. Inklusion, Diversität und Aufklärung, ob nun über den NS oder Sex – ade.
„Was haben die eigentlich generell gegen Sexualaufklärung“, meinte ich zum besten Ehemann von allen vor ein paar Tagen. „Die sind ja gar nicht so christlich-reaktionär wie manche in den USA.“ Und uns fiel ein, dass das Pädokriminellen nützt, wenn Kinder keine Ahnung haben, was mit ihnen geschieht. Gruselig.
Ansonsten: Ich schaue mir Dinge darüber an, dass Migränegehirne auch abseits der Anfälle anders funktionieren als andere. Ich habe seit Anfang 30 immer mal wieder Migräneaura mit Flimmerskotom, aber keine ausgeprägten Kopfschmerzen, eher ein unbestimmtes Matschgefühl im Kopf, als sei ich verkatert. Inzwischen sind sie stark zurückgegangen, was sicher auch mit den Wechseljahren zu tun hat.
So ähnlich, nur in Bewegung und flimmernd, sieht meine Aura aus., In der Mitte ist ein blinder Fleck, außenrum wabert es.
Jetzt bin ich auf diesen Test hier mit der Glühbirne gestoßen und kann sagen, ja, bei mir bleibt das Nachbild lang, lang, lang, 10 Sekunden, 15 Sekunden…. Und zum ersten Mal wurde mir klar, dass meine Ungeduld und immer wieder auftretende Reizbarkeit angesichts der nervenaufreibenden Gemütlichkeit der Mitwelt auch damit zu tun hat, dass mein Gehirn ist, wie es ist, und ich mein Gefühl, andere sind immer einen Schritt zu langsam und träge, nicht nur Erbteil meiner ungeduldigen Mutter ist (die m.W. keine Migräne hatte). Ich muss manchmal fast ins Lenkrad beißen, um nicht an Ampeln zu hupen, weil die vor mir einfach nicht losfahren.
Und dass ich nun ahne, wieso ich nicht verstehe, wie ein Nervgeräusch in der Nachbarschaft von anderen ignoriert werden kann, obwohl es doch immer mehr nervt, je länger es dauert. Auch das ist typisch. Das mit dem Wegfiltern klappt schlecht.
Nun denn, da habe ich wieder was über mich gelernt.